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Denk*an*stoß

mit Tobias Christl

Unser theologischer Referent Tobias Christl, lädt Sie hier regelmäßig zu kleinen Denk*an*stößen ein und möchte Sie hier ein wenig zu aktuellen Themen informieren, ein paar Ideen weiter geben oder eine kleine Stütze bieten. 


Wir freuen uns sehr, hier folgend die gesammelten Denk*an*stöße präsentieren zu dürfen. 

Viel Spaß beim lesen und mitnehmen. 

 

 


15.04.2021

In früheren Zeiten war das Leben von den Jahreszeiten und besonders vom Wachstum der Pflanzen abhängig. Nachdem das Christentum zur prägenden Religion unseres Kulturkreises wurde, galten die Jahreszeiten immer noch, wurden aber überlagert und überschrieben, da sich auch die Kirche an einigen markanten Eckpunkten dieser „Zeiten“ hielt. So feiern wir Ostern immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Hier passt die Botschaft des Festes zu dem, was in der Welt erfahrbar und be-„greif“-bar ist: Aus kaltem Boden bricht neues Leben hervor, wie es uns die Blumen in diesem Jahr so herrlich vormachen. Jesu Auferstehung mag für die Apostel genauso gewirkt haben. Und wer schon einmal die Möglichkeit hatte, während der Ostermesse in der Früh die Sonne langsam aufgehen und durch die Fenster scheinen zu sehen, der erfährt am eigenen Leib, wie das Dunkel durch das Licht vertrieben werden kann.

Aber auch die „andere Seite“ ist richtig und wichtig: Ein Sonnenuntergang hat für mich auch etwas Mystisches. Nach dem Sonnenaufgang und dem Erleben rund um das Osterfest, strahlt die Sonne den ganzen Tag (so sie nicht von Wolken verhangen ist), um dann im Abendrot wieder zu versinken. Dabei ist der Sonnenuntergang nicht der Sonnenaufgang rückwärts sondern etwas Eigenes, etwas Spezielles. In unserem Leben haben wir schon das ein oder andere Osterfest erlebt, aber noch mehr Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge.

Nehmen wir uns Zeit, diesen Zauber, diese Mystik einzufangen und genießen wir diese „geschenkte Zeit“ an diesen Übergängen zwischen Hell und Dunkel.

Ihr
Tobias Christl


15.03.2021

Das Osterfest steht vor der Tür und diesmal liegt auf diesem Fest noch mehr Hoffnung als in den vergangenen Jahren. Im letzten Jahr sind die Messen zur Osterzeit alle ausgefallen oder wurden nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert. In diesem Jahr ist dies anders, in diesem Jahr können, Stand heute, die Messen besucht und die Feier der Auferstehung Jesu Christi gemeinsam gefeiert werden.

Eine Hoffnung, die dabei mitschwingt, ist aber auch: „Leben, so wie wir dich kennen, wir hätten dich gerne zurück.“ Nach über einem Jahr Beschränkungen unserer Grundrechte, unserer Kontakte und im schlimmsten Fall dem kompletten Ausfall unseres Lebensunterhalts wollen wir alle ein Stück Normalität zurück. Obwohl wir alle wissen, dass es das Leben, so wie wir es kannten, nicht mehr geben wird. Wir werden lernen müssen mit dem Corona-Virus zu leben.

Vielleicht hilft uns hier aber ein Blick auf die Passion und das Osterfest. Jesus Jünger hätten es auch lieber gehabt, dass ihr Freund, ihr Lehrer, ihr Messias nicht am Kreuz geopfert wird. Sie hätten gerne ihr Leben behalten, in der Gefolgschaft Jesu, gestärkt durch seine Worte und Taten. Der Kreuzestod aber war für Jesus unvermeidlich, unausweichlich und unabwendbar. Den Jüngern fehlte die Oster-, die Auferstehungsperspektive, die Jesus schon lange für sich entwickelt hatte. Nur durch den Tod am Kreuz konnte Jesus seinen inneren Auftrag zur Erlösung aller Menschen erfüllen, er musste alle Tiefen des menschlichen Seins selbst durchmachen.

Fehlt uns also auch die Osterperspektive? Die Überzeugung, dass es nach dem Dunkel auch wieder Licht geben kann? Nach der Auferstehung Jesu war das Leben der Jünger auch nicht mehr dasselbe, sie hatten allerdings die Hoffnung zurück. Die Hoffnung, dass es das wert gewesen ist.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Ihr

Tobias Christl


15.02.2021

Der Aschermittwoch fordert mich jedes Jahr neu heraus. Beginnt doch mit ihm die Fastenzeit, genauer die österliche Bußzeit. Die Perspektive ist klar und sichtbar, es geht auf Ostern hin, direkt auf Ostern zu.

Hätten wir nun also ein Jahr, in dem sich unser Kopf nicht immerzu mit neuen Meldungen über ein Virus und die damit verbundenen Einschränkungen beschäftigt, würde mit dem Aschermittwoch die Faschingszeit enden. Der Kehraus ist gemacht und die letzten Luftschlangen sind abgehängt. Wir hätten uns wieder auf uns selbst besinnen können in dieser österlichen Bußzeit. Nun haben wir aberdie Einschränkungen und das Virus, wir sind seit Wochen und Monaten auf uns selbst und einen kleinen persönlichen und familiären Kreis zurückgeworfen. Nicht selten denken wir über unser Leben nach.

Beginnt also mit dem Aschermittwoch keine neue Zeit, zumindest in diesem Jahr?

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“, dies sagt uns der Priester, der uns in der Messe zum Aschermittwoch das Aschekreuz auflegt. Das Messbuch sieht aber noch eine zweite, weniger gebräuchliche Alternative vor: „ Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“. Vielleicht wäre diese Formel in diesem Jahr angebrachter. Sagt sie doch eines ganz deutlich: „Mensch, bedenke deine Wege“, aber noch viel wichtiger: „Mensch, du hast eine Frohe Botschaft, das Evangelium.“

Jetzt liegt es an uns. Glauben wir der Frohen Botschaft? Glauben wir daran, dass nach dem Dunkel immer das Licht kommt, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen, dass wir, Sie und ich, niemals verlassen sind?

Dann kann mit dem Aschermittwoch eine neue Zeit beginnen, die uns den Weg hin zu Ostern zeigt.

Ihr

Tobias Christl


15.01.2021

Das Josefsjahr

Möglicherweise ist es zwischen den ganzen Meldungen vom Teil-Lockdown light oder der bayerischen Verschärfung zum Dezember und dem bundesweiten Lockdown nach dem 16.12.2020 untergegangen: Papst Franziskus hat ein „Josefs-Jahr“ ausgerufen.

Der Hl. Josef hat in seinem Leben mit vielem zu tun gehabt, was über sein (und auch unser) Verstehen hinausgeht. Seine Frau wird schwanger, ohne dass er etwas damit zu tun hat. Es erscheint ihm ein Engel im Traum, der ihm sagt, dass er auf das Kind achten soll, obwohl es nicht sein leibliches ist. Er flüchtet mit seiner jungen Familie nach Ägypten, um dem Kindermord in Betlehem zu entkommen. Auch dies hat Josef ein Engel im Traum gesagt. Er nimmt dies alles (und soviel mehr, denken wir nur an die Geschichte des zwölfjährigen Jesus im Tempel) an, ohne sich zu beklagen. Er tut dies mit der Liebe zu seiner Frau und „seinem“ Sohn Jesus im Herzen.

„Patris corde“ (Mit dem Herzen eines Vaters), so heißt das Schreiben des Papstes, in dem es aber nicht nur um den Mann Marias geht. Franziskus möchte auch allen danken, die ihre Arbeit still und leise im Hintergrund tun, die sich nicht in den Vordergrund spielen mit ihren Sorgen und Nöten: Eltern, Pflegeeltern, Großeltern, Personal in pädagogischen Einrichtungen, Lehrer*innen, Pflegekräfte, Ärzt*innen, Supermarktverkäufer*innen, Reinigungspersonal, Polizei, Spediteure, Freiwillige, Priester und Ordensleute - für alle, die zeigen, dass niemand sich allein rettet. Nehmen wir den Gedanken unseres Papstes Franziskus und das Vorbild des Hl. Josef auf und danken denen, die leichter zu übersehen sind als andere und dabei doch unser Leben mit am Laufen halten.

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen allen danken, wenn Sie diese Zeilen lesen. Sie sind im Großen, wie im Kleinen wichtig und relevant, genau an dem Platz, an den Sie das Leben jetzt in dieser Sekunde gestellt hat.

Ihr

Tobias Christl


15.12.2020

Vielleicht haben Sie es schon gehört, gelesen oder gesehen. Im Frauenbründl ist ein „Wunder“ geschehen: Das Heilwasser fließt wieder, nachdem es zum Anfang des Jahres 2020 schon zu versiegen drohte. Der Autor des Artikels, erschienen im Merkur, „Das Wunder vom Frauenbründl“ ist voller Begeisterung, ebenso wie der Bürgermeister der Gemeinde Baiern, der in diesem Artikel zitiert wird. Wie viel Begeisterung für Wasser, das auf einmal wieder fließt. Ich möchte mir die Begeisterung nicht vorstellen, die ein anderes Ereignis in der heutigen, so vernetzten, Zeit ausgelöst hätte. Vor mehr als 2000 Jahren gab es noch kein Internet, keine überregionalen Zeitungen, kein Telefon. Und dennoch wissen wir von der Geburt Jesu. Um die Nachricht zu verbreiten, bedient sich Gott der Engel und eines Sterns. Diese erreichen zum einen die Hirten, die bei ihrer Arbeit sind und nach dieser Botschaft alles stehen und liegen lassen, um dem Gottessohn zu huldigen. Der Stern erreicht die Suchenden, die Hl. Drei Könige, und auch diese machen sich auf einen langen und beschwerlichen Weg. Die Reaktion beider Gruppen aber ist dieselbe: Sie knien vor Ehrfurcht und auf dem (Rück-) Weg in ihr eigenes Gebiet können sie nicht schweigen.

Schweigen wir, wenn wir von einem Wunder erfahren? Vom fließenden Wasser am Frauenbründl? Bei der Geburt von Kindern und Enkeln? Kaum jemand von uns wird dies tun. Und so dürfen wir auch nicht schweigen, wenn es um das Geheimnis von Weihnachten geht.

Der Friede Gottes begleite Sie durch die Weihnachtszeit und ins Neue Jahr.

 

Ihr Tobias Christl
Theologischer Referent


15.11.2020

In den letzten Jahren kam ein Aspekt des Advents stark zum Tragen: Das Warten – Warten auf Weihnachten, auf die Ankunft von Jesus als unserem Licht. Das Warten war aber auch in viel profaneren Dingen an der Tagesordnung: Warten auf das nächste Adventskalendertürchen; Warten, dass der Paketbote die Weihnachtsgeschenke bringt; Warten, ob die ganze weihnachtliche Stimmung während der ganzen Hektik einen Platz findet.

In diesem Jahr scheint alles anders. Im Lockdown gelten die Kontaktbeschränkungen, um das Gesundheitssystem nicht, angesichts exponentiell wachsender Infektionszahlen, sich selbst zu überlassen. Sich also mit maximal 10 Personen zu treffen, sofern es nicht mehr als zwei Haushalte sind, ist bis vorerst 30.11.2020 das Gebot der Stunde. Eine harte und unangenehme Anstrengung, die uns möglicherweise das Weihnachtsfest im Kreise der Familie rettet.

Hier kommt ein zweiter Aspekt des Advents zum Tragen: Die Rückbesinnung auf das wirklich Wichtige und die Rückschau auf das vergangene Jahr. Wir können und dürfen zurückschauen, nicht nur auf die Dinge, die wir im Jahr 2020 nicht machen konnten, sondern auch auf die besonderen, die intimen Momente, die uns dieses Jahr geschenkt hat. Schauen wir auf die kleinen Lichter, die uns 2020 gegeben wurden.

Mit diesem Gefühl können wir die erste Kerze am Adventskranz anzünden und das erste Türchen am Adventskalender öffnen.

Tobias Christl
Theologischer Referent


Tobias Christl

Tel 08092 / 850 79 - 16
Mail theologie(at)kbw-ebersberg.de