Die Kunstwerke eines Kirchenraumes zeigen sich uns heute oftmals als Symbiose verschiedener Epochen und Stile. Auf den ersten Blick ist diese manchmal recht bizarr, manchmal aber auch sehr harmonisch. Dann suggeriert die Innenausstattung einer Kirche, als wäre sie in einer! Zeit entstanden.
Die Glonner Pfarrkirche St. Johann Baptist ist ein Beispiel, für das Zusammenfließen von Zeugnissen aus dem 16., 17., 18., 19. 20. Und 21. Jh., die irgendwie und scheinbar zufällig sich genau so zusammengefügt haben. Über die Jahrhunderte haben es hier Künstler verstanden neu Hinzukommendes mit dem Vorhandenen zu einer Einheit zu verbinden. Dabei haben Modeströmungen, die sich in Glonn in der stilistischen Umgestaltung von 1894 niedergeschlagen haben, so manchem historischen Kirchenraum arg zugesetzt. Oftmals wurde die vormalige Barock- oder Rokokoausstattung nicht nur entfernt, sondern regelrecht zerstört. Wir hatten das Glück, dass die alten Figuren lediglich auf dem Dachboden des Langhauses eingelagert wurden. 1952 haben sie Ministranten wiederentdeckt. Und so wurde 1958 das vormalige Rokokogesicht der Glonner Pfarrkirche weitgehend wieder hergestellt, die stilfremden Hinterglasmalereien von 1899 wieder durch Butzenscheiben ersetzt und seinerzeit zugemauerte Fenster wieder freigelegt. Dadurch bekam der Raum seine alte Helligkeit wieder zurück.
Einziger Gewinn der "Restaurierung" von 1894 ist die Neorokokodecke des Langhauses, mit der die mittelmäßige Freskenmalerei aus dem Anfang des 19. Jh. überdeckt und so der künstlerische Gehalt enorm aufgewertet wurde.
Ziel der Kirchenführung ist es, den Stationen dieser innenarchitektonischen Entwicklung nachzuspüren und Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse zu geben, aus denen heraus der jeweilige künstlerische "Stil" zu erklären ist.